Selbstreflexion hat einen schlechten Ruf.
Sie klingt nach Optimierung, nach Fehlerliste, nach „Ich müsste mal“.
Dabei ist sie etwas ganz anderes.
Am Bahnhof siehst du Menschen stehen.
Nicht, weil sie nichts vorhaben –
sondern weil sie schauen, bevor sie einsteigen.
Selbstreflexion ist genau das:
nicht handeln, sondern wahrnehmen.
Nicht analysieren, um besser zu funktionieren,
sondern hinschauen, um zu merken,
wo du überhaupt stehst.
Die meisten Fragen im Leben sind keine offenen Fragen.
Sie sind nur nicht gehört.
Du weißt oft längst,
warum du etwas tust.
Oder warum nicht.
Du übergehst es nur,
weil der nächste Zug schon angekündigt wird.
Selbstreflexion beginnt nicht mit Zielen.
Sie beginnt mit Ehrlichkeit.
Was tue ich gerade –
nicht offiziell, sondern tatsächlich?
Was wiederholt sich?
Was fühlt sich schwer an, obwohl es „richtig“ sein soll?
Und was fühlt sich leicht an, obwohl es nirgends auf der Tafel steht?
Es geht nicht darum, Stärken und Schwächen zu katalogisieren.
Das ist Verwaltung.
Es geht darum zu erkennen,
wo du dich selbst verlässt,
um irgendwo anzukommen.
Manche nennen es Journaling.
Andere nennen es Denken.
Im Grunde ist es nur ein Moment,
in dem du nicht sofort weitergehst.
Selbstreflexion ist kein Blick zurück
und auch kein Plan nach vorne.
Sie ist der Moment dazwischen,
in dem du merkst:
Ich stehe hier.
Und das hat einen Grund.
Was danach kommt,
ist keine bessere Entscheidung –
sondern eine stimmigere.
Und die fühlt sich nicht spektakulär an.
Eher ruhig.
Wie ein Zug,
den man nicht verpasst,
weil man gar nicht erst gerannt ist.
