„Das ist absoluter Schwachsinn! Diese ganze Positiv-Denk-Ideologie unterdrückt den wahren Kern des Menschen.“
Zuerst klang das provozierend. Doch je mehr ich seine Worte auf mich wirken ließ, desto klarer wurde mir, worauf er hinauswill: Nicht das Manifestieren an sich ist das Problem – sondern die Art, wie wir es benutzen, um uns vor uns selbst zu verstecken.
Der Preis des positiven Denkens
Ich habe selbst erlebt, wie man leicht in diese Falle tappt. Man liest Neville Goddard, hört von „Imagination creates reality“ – und denkt: „Wenn ich mir nur das Richtige vorstelle, wird alles gut.“ Doch sobald das Leben nicht mitspielt, beginnt der innere Kampf: Ich müsste „besser denken“, „mehr glauben“, „höher schwingen“. So entsteht eine subtile Selbstverleugnung – eine unsichtbare Trennung zwischen dem, der ich bin, und dem, der ich zu sein versuche.
Hellwig nennt das das gespaltene Bewusstsein: Ein Teil in mir will Licht, Liebe, Erfolg. Ein anderer trägt Schmerz, Scham, Wut oder Angst. Wenn ich nur den hellen Teil sehen will, beginnt der dunkle zu schreien – und ich nenne es dann „Blockade“. Doch es ist kein Fehler. Es ist Leben, das gesehen werden will.
Das gespaltene Bewusstsein in Aktion
Diese innere Trennung ist tückisch, weil sie sich spirituell anfühlt: Ich visualisiere Fülle, spüre aber Mangel. Ich spreche Affirmationen, doch mein Herz bleibt leer. Ich sage „Ich bin Liebe“ – und verneine gleichzeitig den Teil, der gerade keine Liebe fühlt.
Das Unterbewusstsein versteht keine Worte, nur Wahrhaftigkeit. Und solange ich innerlich geteilt bin, erschaffe ich genau das: eine geteilte Realität. Erfolge, die wieder verschwinden. Freude, die kippt. Beziehungen, die nicht halten. Denn die äußere Welt folgt immer dem Zustand, nicht dem Wunsch.
Radikale Erlaubnis: Der Beginn von Heilung
Irgendwann begann ich, einfach nur dazusitzen und zu fühlen, was da war – ohne Plan, ohne Ziel. Das war neu. Ich spürte Ärger, Scham, Leere, Angst … und ließ sie da sein. Nicht, um sie loszuwerden, sondern um ihnen endlich Platz zu geben. Das ist radikale Erlaubnis.
Und in dieser Stille geschieht etwas Unerwartetes: Das, was ich so lange weggeschoben hatte, verliert seine Macht. Das Bewusstsein wird wieder eins. Und in genau dieser Einheit liegt dieselbe schöpferische Kraft, von der Neville Goddard spricht.
Wenn Fühlen zur Schöpfung wird
Neville sagt, das Bewusstsein erschaffe Realität. Aber dieses Bewusstsein kann nur dann schöpferisch wirken, wenn es ganz ist – wenn nichts mehr ausgeschlossen wird. Solange ich innerlich gegen etwas kämpfe, erschaffe ich in Wahrheit zwei Welten: eine, die ich will, und eine, die ich bekämpfe.
Wenn der Kampf endet, entsteht Klarheit. Dann wird das Erschaffen leicht, weil es kein Ausweichen mehr braucht. Ich erschaffe nicht, um Mangel zu überdecken, sondern weil das Leben durch mich fließen will. Erlaubnis wird zur Basis, Schöpfung zum Ausdruck.
Zwei Wege, ein Ziel
- Mike Hellwig führt mich in die Tiefe.
- Neville Goddard führt mich in die Höhe.
Hellwig heilt die Spaltung. Neville gestaltet aus der Heilung. Erlaubnis ist Integration. Imagination ist Transformation. Beides zusammen ergibt den ganzen Menschen: Den, der fühlt, was ist – und den, der erschafft, was sein will.
Vom Lesen zum Erleben
Was mich an dieser Verbindung zwischen Mike Hellwig und Neville Goddard besonders berührt, ist die Erkenntnis, dass einer von beiden noch lebt. Neville ist gegangen – sein Werk bleibt in Worten. Hellwig aber atmet, fühlt, begegnet. Er lebt, was er sagt, und das spürt man.
Ich glaube, dass Worte, so kraftvoll sie auch sind, nur bis zu einem Punkt reichen. Neville öffnet das Tor im Geist – Hellwig öffnet das Herz im Körper. Und manchmal braucht es beides: die Erinnerung an das Unendliche und die Berührung des Gegenwärtigen.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass ich Hellwig in dieser Zeit gefunden habe. Manche Lehrer müssen wir nur lesen – andere müssen wir erleben. Bei Neville höre ich das Echo der Quelle. Bei Hellwig spüre ich den Pulsschlag des Jetzt.
Ich weiß nicht, ob ich ihm je persönlich begegnen werde. Aber etwas in mir sagt, dass es wichtig wäre – nicht, um Antworten zu bekommen, sondern um in der Nähe dieses gelebten Ja-Seins zu atmen. Denn Hellwig verkörpert etwas, das bei Neville zwischen den Zeilen leuchtet: das stille Einverständnis mit allem, was ist.
Fazit
The Secret ist nicht falsch, aber unvollständig. Es spricht vom Potenzial, nicht von der Reife. Ohne Erlaubnis wird jede Schöpfung zur Flucht. Doch wenn das Herz sich öffnet und nichts mehr ausgeschlossen ist, wird Schöpfung zum natürlichen Atem des Lebens:
Einatmen: Ich lasse alles sein.
Ausatmen: Ich erschaffe, was ich bin.
Und genau hier – zwischen Erlaubnis und Schöpfung – beginnt der innere Flow.
