Der Moment, in dem Klarheit still wird 3/4

Klarheit wird oft überschätzt. 
Man stellt sie sich hell vor, eindeutig, richtungsweisend.

In Wirklichkeit ist sie unscheinbar.

Am Bahnhof ist Klarheit kein lauter Entschluss. 
Es ist der Moment, 
in dem du aufhörst, 
auf die Anzeige zu starren.

Du weißt plötzlich,
wohin du nicht mehr willst.
Und das reicht.

Klarheit entsteht nicht durch mehr Denken.
Sie entsteht,
wenn das Denken zur Ruhe kommt,
weil es nichts mehr zu verteidigen gibt.

Kein Argument.
Keine Rechtfertigung.
Keine Geschichte über dich selbst.

Nur ein leiser Satz,
der nicht diskutiert werden will.

Viele überhören ihn,
weil er keine Dringlichkeit hat.
Er drängt nicht.
Er lockt nicht.
Er erklärt sich nicht.

Er ist einfach da.

Und genau deshalb wirkt er unspektakulär.
Fast enttäuschend.

Keine Euphorie.
Kein „Jetzt weiß ich alles“.
Eher ein inneres Absenken.

Wie ein Zug,
der schon lange bereitsteht
und einfach nur wartet,
ob du einsteigst.

Klarheit fühlt sich nicht wie Kontrolle an.
Sondern wie Entlastung.

Du musst nichts mehr beweisen.
Nichts mehr optimieren.
Nichts mehr rechtfertigen.

Du gehst nicht,
weil es sicher ist.
Du gehst,
weil du nicht mehr bleibst.

Und wenn Klarheit still wird,
verändert sich etwas Entscheidendes:

Du brauchst keine Bestätigung mehr,
dass es richtig ist.

Du merkst es daran,
dass du niemandem davon erzählen musst.

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