Am Bahnhof ist Stillstand sichtbar.
Man steht da.
Tut nichts.
Wartet.
Und genau das fällt vielen schwerer
als in den falschen Zug zu steigen.
Falsch fahren hat einen Vorteil:
Es sieht nach Bewegung aus.
Nach Entscheidung.
Nach Leben.
Stehen bleiben dagegen wirkt leer.
Unentschlossen.
Erklärungsbedürftig.
Viele fahren nicht los,
weil sie wissen, wohin sie wollen –
sondern weil sie es nicht aushalten,
noch einen Moment länger nichts zu tun.
Der falsche Zug beruhigt.
Er nimmt die Spannung aus dem Warten.
Er gibt Richtung,
auch wenn sie nicht stimmt.
Man kann sich sagen:
Ich bin unterwegs.
Und das reicht oft schon,
um das innere Unbehagen zu dämpfen.
Stillstand konfrontiert.
Mit Zweifeln.
Mit dem Nichtwissen.
Mit der Frage,
ob man vielleicht gerade nichts weiter tun kann
als da zu sein.
Und genau dort beginnen viele zu flüchten.
Lieber eine Geschichte erzählen
als keine.
Lieber einen Umweg rechtfertigen
als eine Pause zulassen.
Der falsche Weg fühlt sich aktiv an.
Der richtige Moment oft nicht.
Dabei ist Stehenbleiben kein Versagen.
Es ist ein Zeichen,
dass etwas noch nicht reif ist.
Oder schon vorbei.
Manche Entscheidungen entstehen nicht durch Druck,
sondern durch das Aushalten von Leere.
Nicht jede Bewegung ist Entwicklung.
Und nicht jedes Ankommen ein Fortschritt.
Manchmal ist das Mutigste,
nicht einzusteigen,
obwohl ein Zug da ist.
Und manchmal erkennst du erst im falschen Zug,
dass du eigentlich gar nicht fahren wolltest.
