Warum wir im stillen Moment wieder laut werden 4/4

Der stille Moment hält selten lange.

Nicht, weil er falsch ist – 
sondern weil er ungewohnt ist.

Am Bahnhof passiert das ständig. 
Du weißt plötzlich, 
welcher Zug deiner ist. 
Kein Zweifel mehr. 
Kein inneres Argument.

Und genau dann greifst du zum Handy. 
Oder beginnst, es jemandem zu erklären. 
Oder stellst dir selbst noch schnell eine Frage.

Nicht aus Unsicherheit. 
Sondern aus Reflex.

Stille fühlt sich für viele wie Leere an. 
Und Leere wird oft mit Gefahr verwechselt.

Lautwerden heißt dann:
Sich rückversichern.
Sich selbst wieder hörbar machen.
Die innere Bewegung kommentieren,
damit sie nicht zu verbindlich wird.

Denn Stille hat eine Eigenschaft,
die unbequem ist:
Sie fordert nichts –
aber sie meint es ernst.

In der Stille gibt es kein „Vielleicht“.
Kein „Ich denke darüber nach“.
Kein „Ich schaue mal“.

Da ist nur ein stilles Wissen,
das keine Rückfahrkarte ausstellt.

Viele machen an diesem Punkt kehrt.
Nicht, weil sie falsch liegen,
sondern weil sie spüren:
Wenn ich jetzt gehe,
kann ich nicht mehr so tun,
als wäre ich noch unentschieden.

Lautwerden ist dann kein Fehler.
Es ist ein Schutz.

Ein letztes Aufdrehen des inneren Radios,
bevor man einsteigt.

Das Entscheidende ist nicht,
ob du wieder laut wirst.
Das passiert fast immer.

Sondern,
ob du die Stille noch kennst,
zu der du zurückkehren kannst.

Denn sie verschwindet nicht.
Sie wartet.

Nicht drängend.
Nicht beleidigt.
Einfach dort,
wo du kurz aufgehört hast,
dir selbst auszuweichen.

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